Ein Haus für viele Schwalben

Datumsbezug: 02.01.2018
Am Haus der Flüsse wurde ein Schwalbenhaus aufgebaut.

Mehlschwalben haben es nicht mehr so leicht, Mauern zu finden, an denen sie ihre Nester bauen können. Auf dem Freigelände des Hauses der Flüsse steht nun ein "Mehrfamilienhaus".

Rund 500 Kilometer Autofahrt liegen hinter Oliver Wegener, als er in Havelberg in die Elbstraße einbiegt. Er ist der Erbauer des Schwalbenhauses, das im Frühjahr von hoffentlich vielen Brutpaaren als Nistplatz angenommen wird. Das Infozentrum Natura 2000 im Haus der Flüsse  hat im Rahmen des Umweltsofortprogramms des Landes ein solches Schwalbenhaus gekauft. „Das funktioniert offensichtlich ganz gut. An der Wehrgruppe in Quitzöbel stehen zwei dieser Häuser. Dort habe ich in diesem Jahr um die 100 Paare gezählt“, berichtet der Leiter des Hauses der Flüsse Stefan Fischer.

Die Häuser sind für Mehlschwalben gedacht, die zum Bau ihrer Nester gern zum Beispiel rau verputzte Hausfassaden unter Dachvorsprüngen nutzen. Doch finden die Vögel heutzutage nicht mehr so viele Möglichkeiten zum Nestbau. Unter anderem, weil Menschen sich an dem damit zeitweise verbundenen Schmutz durch Vogelkot stören. „Die Zahl der Schwalben geht ziemlich drastisch zurück, weshalb der Vogel in einigen Bundesländern auf der Roten Liste steht. In Sachsen-Anhalt steht die Schwalbe noch nicht auf der Roten Liste. Doch beobachten auch wir einen Rückgang von über 20 Prozent“, erklärt Stefan Fischer. 35.000 bis 65.000 Brutpaare gibt es in Sachsen-Anhalt, deutschlandweit 480.000 bis 900.000 Paare. 


Der Abriss alter Gebäude und auch der Rückgang der Insekten sind weitere Gründe dafür, dass es nicht mehr so viele Mehlschwalben gibt. Sie brüten gern in Kolonien. Oft sitzen die Nester dicht an dicht. Das Schwalbenhaus bietet beste Voraussetzungen dafür, 48 Nester sind vorgefertigt. Platz ist für weitere selbstgebaute Wohnungen.
Der Schutz der Mehlschwalbe ist das eine Ziel, das das Infozentrum mit dem Schwalbenhaus verfolgt. Das andere ist, dass die Besucher im Frühjahr dann hoffentlich beobachten können, wie die Vögel ihren Nachwuchs füttern. Auf einer Tafel soll es zudem Informationen zu den Mehlschwalben geben. Zum Beispiel auch dazu, dass Schwalbennester nicht einfach von Hauswänden abgeschlagen werden dürfen. Wer nicht umhin kommt, ein Nest herunterzunehmen, muss dies bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis anzeigen und für Ersatz sorgen.

Knapp 300 Schwalbenhäuser hat  Diplomlandwirt Oliver Wegener inzwischen aufgebaut. Dass er den Aufbau an Ort und Stelle selbst übernimmt, ist für den Naturschützer aus Leidenschaft, der in seinem Heimatort im Vorstand des Nabu mitarbeitet, Ehrensache. Da sind die 500 Kilometer nach Havelberg fast ein Klacks gegenüber dem Weg nach Schweden, den er auch schon absolviert hat, um dort ein Schwalbenhaus aufzubauen. Auch in die Schweiz und nach Frankreich hat er schon Schwalbenhäuser geliefert.


Stefan Fischer zeigt sich optimistisch, dass das Schwalbenhaus am Infozentrum in der Elbstraße gut von den Mehlschwalben angenommen wird. Aufgrund der Wassernähe gibt es viele Insekten. Unter den Brücken an Havel und Winterhafen gibt es bereits etliche Schwalbennester. Wer weiß, vielleicht siedelt das eine oder andere Brutpaar um oder es fühlen sich neue Paare willkommen.
Das quadratisch gebaute Schwalbenhaus hat 48 fertige Nester. Am Rauputz können weitere gebaut werden. Außerdem gehören zwei Kästen für Höhlenbrüter zu dem Haus und zwei für Fledermäuse. Alles ist so gebaut, dass es auch gesäubert werden kann.


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