Zu Besuch bei Christoph Hein

Datumsbezug: 01.08.2018
Ministerpräsident Reiner Haseloff (Mitte) war zusammen mit Bürgermeister Bernd Poloski (links) und dessen Frau Karina (2. von rechts) zu Gast bei Christoph Hein und Maria Husmann.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und der Schriftsteller Christoph Hein kennen sich natürlich. Als 2017 zum Reformationsjubiläum das Luther-Oratorium mit dem Libretto von Christoph Hein uraufgeführt wurde, saßen beide nebeneinander. Doch Zeit für Gespräche hatten sie noch nicht miteinander. Die nahm sich der Landeschef nun während der Sommerpause, die er traditionell für Reisen durch Sachsen-Anhalt nutzt. Er besuchte den Schriftsteller und dessen Frau, die Opernsängerin Maria Husmann, in Havelberg. Mit dabei: Bürgermeister Bernd Poloski und dessen Frau Karina.

Das rein private Treffen galt vor allem dem Schaffen von Christoph Hein, dessen Bücher schon zu DDR-Zeiten gern gelesen wurden und sich auch jetzt einer großen Leserschar erfreuen. „Glückskind mit Vater“ und „Trutz“ sind seine jüngsten Romane. Im August erscheint sein neuestes Werk „Verwirrnis“, in dem es um eine Liebe im katholischen Heiligenstadt der 1950er Jahre geht.
Der vielfach ausgezeichnete Autor stammt aus christlichem Haus und gilt als Chronist deutscher Geschichte. „Seine Literatur ist auch ein Stück Biografie, Christoph Hein war schon immer lesbar“, sagte der Ministerpräsident, der sich das neue Werk als E-Book vorbestellt hat. „Ich bin froh, dass wir solche kulturell bedeutenden Persönlichkeiten hier in unserem Land haben und da wir auch Kulturministerium sind, freue ich mich, Sie genauer kennenlernen zu können.“

Auch wenn es vorrangig um das Wirken des Schrifstellers ging, so wollte Reiner Haseloff auch Neues aus der Stadt wissen, die Christoph Hein als seinen Lebensmittelpunkt gefunden hat.
„Das war kein offizielles Arbeitstreffen, dennoch haben wir über die politische Situation gesprochen, international und auf Landes- und Kommunalebene. Dabei hat mir der Ministerpräsident die Möglichkeit eröffnet, Probleme anzusprechen, die uns beschäftigen“, so Havelbergs Bürgermeister. Die Faszination und die Reize, mit denen der Elb-Havel-Winkel gesegnet ist – der Ministerpräsident konnte sich beim Blick von der Terrasse beim Ehepaar Husmann/Hein wieder einmal selbst davon überzeugen – bringen die besondere Lage Havelbergs abseits von großen Straßen mit sich. „Bei allen bisherigen Bemühungen, die Verkehrsinfrastruktur auszubauen, ist eine grundsätzliche Veränderung unserer Lage nicht in Sicht“, sprach Bernd Poloski die fehlende Anbindung an eine Autobahn an. Ein Brückenbau im Zuge des A-14-Ausbaus ist nicht in Sicht.

Die Bevölkerungszahl werde sich weiter verringern und die Region strukturschwach bleiben. Um so mehr ist die Hansestadt als Grundzentrum mit Funktionen eines Mittelzentrums auf weitere Unterstützung vom Land angewiesen, um auch künftig etwa die medizinische Versorgung mit Krankenhaus und niedergelassenen Ärzten, Bildungsangebote bis zum Abitur und öffentliche Dienstleistungen vorhalten zu können.

„Der Ministerpräsident hat mich ermutigt, dass wir unsere Besonderheit immer wieder deutlich machen sollen, wenn es um die Finanzausstattung der Gemeinden geht, und möchte das auch schriftlich bekommen. Wir haben schon öfter dargelegt, dass wir eine Verbesserung des Flächenfaktors benötigen. Zum Beispiel findet unsere Garnison mit fast 1000 Soldaten bei Berechnungen keine Berücksichtigung“, erklärte er im Gespräch mit der Volksstimme und ergänzte: „Wir sind mittlerweile die kleinste Einheitsgemeinde – mit großer Fläche und wichtiger Funktion für das Umland.“

Der Bürgermeister appellierte zudem, dass sich das Land gegenüber dem Bund dahingehend stark macht, dass zum Beispiel Förderanreize geschaffen werden, um Altstadtbereiche zu beleben. Angesichts des Leerstands von Geschäften seien Nutzungsveränderungen zu überlegen. Diese seien jedoch nicht ohne finanzielle Unterstützung der Hauseigentümer machbar. Hier müsse ein Umdenken dahingehend erfolgen, dass die bisher gehandhabte Einmalförderung ausgesetzt wird, um leere Geschäftsräume etwa in Wohnräume oder für Kunst- und Kulturaktivitäten umzuwandeln. „Das ist kein Havelberger, sondern ein grundsätzliches Problem. Hier bedarf es Änderungen in den Förderrichtlinien, da ist der Bund gefragt.“


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