Sanierung des Kulturdenkmals

Datumsbezug: 31.05.2018
Die Außenhülle der Stadtkirche im Chorbereich bedarf einer Sanierung.

Der Bauausschuss hat die Förderung der Sanierung der Havelberger Stadtkirche in vorgeschlagener Höhe abgelehnt, der Hauptausschussstimmt für die volle Summe. 180.000 Euro sollen investiert werden, damit die Außenhülle der Havelberger Stadtkirche im Bereich des Chorraumes gesichert werden kann. Dort zeigen sich Risse im Mauerwerk und die Bleiglasfenster sind beschädigt. Die evangelische Kirchengemeinde hat eine Förderung aus dem Programm Stadtumbau Ost – Aufwertung beantragt. Diese umfasst eine Summe von 98.240 Euro, von denen Bund, Land und Hansestadt jeweils ein Drittel übernehmen würden. Diese Fördersumme ist nach Ansicht des Bauausschusses zu hoch angesetzt, weshalb der Antrag an den Stadtrat gestellt wurde, den Betrag zu halbieren. 


Ausschussmitglied Sven Hetke (SPD) hatte den Eigenanteil der Kirche – sie würde 37.760 Euro aufbringen, weitere 44.000 Euro würden vom Land fließen – für zu niedrig erachtet. Drei von vier Mitgliedern hatten dem Antrag auf Halbierung der Förderung zugestimmt, einer war dagegen.

Dieser eine ist Wolfgang Schürmann (CDU), der sich am Montagabend auf der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses diesbezüglich zu Wort meldete, um für eine Förderung in beantragter Höhe zu werben. Er führte vor allem die beabsichtigte Restaurierung der wertvollen Scholtze-Orgel ins Feld, für die sich ein Förderverein gegründet hat und schon viele Spendengelder eingegangen sind. „Die Orgelrestaurierung macht aber nur Sinn, wenn die Gebäudehülle die Orgel schützt. Würde die Sanierung erst im Nachhinein erfolgen, wäre das gegenüber den Spendern kein gutes Zeichen.“

Als weiteres Argument für die Außenhüllensanierung beziehungsweise -sicherung sprach er die Bedeutung der Stadtkirche als prägendes Element im Havelberger Stadtbild und wichtiges Element für den Tourismus an. Zudem gab der Stadtratsvorsitzende zu bedenken, dass dieses Geld aus dem Stadtumbau Ost zur Verfügung steht. „Lehnen wir es ab, geht es verloren.“ Zu der Position im Bauausschuss, die Kirche hätte genug Geld und bekäme vom Staat und durch die Kirchensteuer genug finanzielle Ausstattung, sagte er, dass die Kirche eine Vielzahl an Gotteshäusern habe, um deren Sicherung sie sich zu kümmern hat. Zudem verwies er darauf, dass es verschiedene Aktivitäten gibt, die Stadtkirche mit Leben zu erfüllen.

Kämmerin und Bauamtsleiterin Petra Jonschkowski berichtete, dass dieser Bauabschnitt der vierte nach den Sanierungsarbeiten ist, die vor der Bundesgartenschau erfolgt sind. Zur Buga 2015 Havelregion diente die Stadtkirche als Blumenhalle und begeisterte Hunderttausende Besucher und die Havelberger selbst mit ihren 16 ansprechenden Blumenschauen.

„Die Gesamtfinanzierung des vierten Bauabschnittes ist nur mit der vollen Förderung gesichert“, machte sie deutlich und informierte über verschiedene Baustellen, die es in dem gotischen Backsteinbau des 13. und 14. Jahrhunderts gibt.
Aktuell läuft die Schwammbeseitigung im Bereich der Holzdielen des Fußbodens, für die die Kirche rund 50 000 Euro investiert. Da fließen Mittel mit rein, die für den vierten Bauabschnitt vorgesehen waren. „Für den Erhalt der Bausubstanz ist mindestens noch eine Million Euro erforderlich“, machte Petra Jonschkowski deutlich. „Für uns ist diese Förderung eine sehr wichtige Investition auf der Stadtinsel.“

Von Seiten der Unteren Denkmalschutzbehörde wird diese Sicherungsmaßnahme an der Außenhülle als wichtig eingestuft und die denkmalrechtliche Genehmigung liegt bereits vor. Zur Bewertung des Gebäudes heißt es unter anderem: „Die Evangelische Kirche Sankt Laurentius auf der Stadtinsel von Havelberg ist wegen ihrer besonderen geschichtlichen, kulturell-künstlerischen, kultischen und städtebaulichen Bedeutung als Kulturdenkmal anerkannt. Die Hansestadt hat besonders von Süden her gesehen eine Stadtansicht mit Kontinuität: Die Stadtkirche ist prägender Bestandteil des überregional bedeutenden Stadtbildes von Havelberg. Das Baudenkmal bildet die städtebauliche Dominante der Stadtinsel und den Gegenpart zum national bedeutenden Dom Sankt Marien auf dem Berghang. Die Erhaltung, Pflege und öffentliche Nutzung dieses stattlichen gotischen Backsteinbaus trägt wesentlich zur Attraktivität der Stadtinsel bei.“
Im Hauptausschuss stimmten vier Mitglieder für den ursprünglichen Förderantrag, also für die volle Summe, ein Stadtrat stimmte dagegen, einer enthielt sich der Stimme. Bleibt also abzuwarten, wie der Stadtrat auf seiner Sitzung am 21. Juni darüber befindet.


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